Michael Brynntrup's
sinnige Sentenzen | sententious senses

Tagebuchzitate | quotations from the diary

Interview deutsch | interview german

Interview englisch | interview english



x sinnige Sentenzen | sententious senses

Das ist der Sunset-Boulevard, die Straße der Dämmerung von Los Angeles im Staate Kalifornien. Es ist gegen fünf Uhr morgens. Die Mordkommission ist alarmiert und ein Heer von Detektiven und Reportern ist auf den Beinen. In einer der prunkvollen Villen im Zehntausender Block wurde ein Mord verübt. Sicher werden sie in der Mittagausgabe darüber lesen.
Radio und Fernsehen werden davon berichten. Denn ein einstmals weltbekannter Filmstar ist in die Angelegenheit verwickelt. Aber bevor alles durch die Hollywooder Zeitungsschreiber aufgebauscht und verzerrt zu lesen sein wird, könnte ich mir vorstellen, daß sie lieber den wahren Sachverhalt direkt kennenlernen wollen.
In dem Schwimmbassin dieser Villa wurde die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Mit zwei Schüssen im Rücken und einem Bauchschuß. Keine bedeutende Persönlichkeit. Nur ein kleiner Filmdichter, der ein paar zweitklassige Drehbücher geschrieben hatte. Der arme Phantast. Er hatte sich immer ein Schwimmbassin gewünscht. Und als er es endlich bekam, mußte er es mit einem hohen Preis bezahlen.
Drehen wir das Rad der Zeit um sechs Monate zurück, bis zu dem Tag, wo es begann. Ich bewohnte ein möbliertes Zimmer im Zentrum der Stadt, und es ging mir nicht gerade gut. Ich hatte schon lange keinen Filmstoff mehr verkauft. So saß ich da und quälte mich damit ab, originelle Geschichten zu erfinden. Aber es wollte mir nichts gelingen. Entweder waren sie nicht originell genug oder vielleicht auch zu originell. Jedenfalls konnte ich sie nicht an den Mann bringen.
(Anfangssequenz des Films 'Sunset Boulevard' von Billy Wilder, 1950. Screenplay by Billy Wilder and Charles Brackett)

Das Immanuel-Kant-Krankenhaus in Berlin-Neukölln um Mitternacht. Ein Patient wird gerade eingeliefert. TV-Journalisten sind vor Ort. - Der Anfang einer Geschichte, die sich selbst erzählt.
Zu Beginn des Films wird eine dramatische Geschichte suggeriert, die sich im Verlauf des Films zu einer Reflexion über das Geschichtenerzählen selbst entwickelt. Das Filme- und Bildermachen selbst rückt in den Blick. Der Umgang mit Bildern wird auf mehreren medialen Narrations-Ebenen thematisiert, visualisiert und dokumentiert: von der Entstehung (Dreharbeiten) bis hin zur TV-Berichterstattung zu just eben diesem Film, den der Zuschauer jetzt und im 'Original' live im Kino sieht. »EKG - X - perm.« untersucht die Nachhaltigkeit (bzw. Vorläufigkeit) von Erwartungshaltungen in Film und Fernsehen. »EKG - X - perm.« ist ein dramatischer Film und ein experimentelles Spiel.
{aus dem Antrag auf Vertriebsförderung, Januar 2002}


x Tagebuchzitate | quotations from the diary

Die Statik der Eselsbrücken war noch eine 'Nabelschau' - Expositus wird eine 'Kabelshow'.
{TB2185.Tabu07, 960215}

Schon seit Tagen habe ich die eine Überlegung im Kopf: die Quintessenz des Expositus: Ich gebe keine Interviews mehr! Ganz konsequent und ohne Ausnahme: nur so macht's Sinn! (...)
Ich bin irrsinnig in meiner eigenen Welt befangen! Aber ich halte gerade diesen Irr-Sinn / diesen Aber-Witz für meine ureigenste Kunst, die ich auf die Spitze treibe. (Dabei ist mir bewußt: das ist nur die Spitze meines Eisberges)
{TB2339.Tabu07, 961213}

Morgen kommt das Fernsehen, hoffentlich bin ich fit!
{TB2368.Tabu07, 970206}

Das WDR-Interview (an meinem Geburtstag) war jetzt die letzte große Drehsession für den Expositus. Habe mich gerne darauf eingelassen, (...). Den ganzen Dreh konnte ich gutheißen, weil es in diesem Fall ein Geben und Nehmen ist... und ich die ganze Aktion letztlich auch für mich und meinen Expositus gemacht habe!
{TB2371.Tabu07, 970208}

Es ist absurd... alles ist machbar. Dies und das ist kombinierbar... eine Freiheit, die ich mir erlaube, mich in den Wahnsinn zu treiben. Das, was ich mir immer wünsche und was ich immer behaupte: das 'Diktat des Materials' und das 'Diktat des Themas' fehlt hier ganz, bzw. ist mir noch gar nicht deutlich geworden.
{TB2926.Tabu09, 020102}

»Der EKG-X-PERM.« ist jetzt eine ganz runde, und doch eckige Sache, - ein fertiger, ein eigenständiger Film jedenfalls. Kein geschmeidiger Film, aber ein Film mit einem A und O, mit einem AAA-Anfang und einem OH am Ende. Mit mehreren Anfängen sogar, dafür aber mit einem umso definitiveren Ende. Wodrum geht es in dem Film: es geht um die Nachhaltigkeit (bzw. Vorläufigkeit) von Erwartunghaltungen in Film und Fernsehen. Was erwartet der Zuschauer, was will der Zuschauer? Das Happy End wird immer schon vorausgesetzt bei aller bloody-action und schon im Grand Opening. Kino/TV-Unterhaltung pur. »EKG-X-PERM.« beginnt als Filmdrama und endet als TV-Clip.
{TB2943.Tabu09, 020221}


x Interview deutsch | interview german

HS:
Der Versuch, Deine Arbeit in wenigen Sätzen zu definieren: was wäre der eine wesentliche Ausgangspunkt?
MB:
Ich mache persönliche Filme!, das kann man auf jeden Fall sagen. (...) Also Filme mache ich in diesem Stil: ganz persönlich, 'authentisch' kann man sagen. Das ist ganz entscheidend für meine Arbeit: persönlich definierbare, auf eine Person auch wieder zurückführbare Bilder zu schaffen.
HS:
Es hat etwas sehr Obsessives, sich so sehr ins Zentrum der Betrachtung zu stellen. Selbsterkenntnis hast Du als ein Motiv angegeben. Gibt es dazu noch einen anderen Wunsch, einen anderen Motor?
MB:
Ja ich versuche, das Medium nicht funktional nur zu benutzen also zu instrumentalisieren -sozusagen- sondern eigentlich zu personifizieren. Also es kommt darauf an, für mich kommt's ganz wesentlich darauf an, die Leute nicht manipulieren zu wollen, sondern auch die Leute im Verhältnis zu mir über das Medium kommunizieren zu lassen. Also sprich: wenn ich Bilder zeige soll immer klar sein: dieser Herr zeigt diese Bilder, und er möchte damit was sagen, mir als Zuschauer damit was sagen, und ich sprech dann ja häufig auch das Publikum direkt an, so von der Leinwand runter, und es ist auf jeden Fall immer ein dialogischer Prozess, ein Dialog zwischen Personen, den ich versuche zu initiieren, zu zünden im Kino.
(Interview von Herbert Schwarze am 04. 01.01,
ARTE, 'Kurz-Schluss', TV-Sendung vom 10.02.01)


TV - Interview | TV - interview
Herbert Schwarze, Interview Auszug zu »TABU-Filmen« am 04.01.01,
ARTE, 'Kurz-Schluss', TV-Sendung vom 10.02.01

x Interview englisch | interview english

"The idea of a film is more important to me than it's technical perfection", says Michael Brynntrup of his Super8-movies. "But I respond to the technical possibilities... Motion pictures are the best means of expressing myself. They are alive. Painting ist dead and I don't want to end up in a museum".
(Andy Warhol's INTERVIEW, New York, September 1987 - Eva Steidel)

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