.



Michael Brynntrup's
sinnige Sentenzen | sententious senses

Tagebuchzitate | quotations from the diary

Interview deutsch | interview german

Interview englisch | interview english



Interview mit Ron Athey | interview with Ron Athey

Interview mit Mario Brendel | interview with Mario Brendel



x sinnige Sentenzen | sententious senses

Gewiß werden auch heute noch manche Zuschauer angesichts dieses Werkes betroffen sein. - Die Achtung vor wahrer Filmkunst gebot indes, selbst jene Großaufnahme zu erhalten, da ein Rasiermesser durch ein Auge fährt.
(Warnung an das Publikum im Vorspann der deutschen Verleih- und Archivkopie von UN CHIEN ANDALOU)
Certainly even today some viewers will be affected by this work. Respect for the true art of filmmaking demanded that even the closeup be kept in, where a razor slices through an eye.
(Warning introduction to the German archival copy of UN CHIEN ANDALOU)

Der Film erzählt vom Rhythmus des Lebens und der Lebensalter. Beschaulich-ruhige Bilder wechseln mit 'visuell-schmerzhaften' Bildern (z.B. Selbst-Piercing). Mir ging es in dem Film nicht nur darum, die Motive bzw. die Motivation der Darsteller (Selbst-Achtung, Kontemplation, Spiritualität, Katharsis) zu dokumentieren, sondern auch darum, diese Inhalte für den Zuschauer unmittelbar erlebbar zu machen.
Das filmisch-dramatisierte Wechselspiel von Konzentration/Besinnung ("die Achtung") einerseits und Konzentration/Sensation ("Achtung!") andererseits soll Wahrnehmungsweisen und Bewußtseinszustände erfahrbar und reflektierbar machen, die der Film nicht nur repräsentiert, sondern auch beim Zuschauer unmittelbar auslöst.
Mit dem Film »ACHTUNG - die Achtung« versuche ich eine Spannung zu erzeugen, die nicht nur zwischen Schock/Sensation und Ruhe/Besinnung pendelt, sondern die es -im Kino wie im Leben- auch auszuhalten gilt.
{aus dem Antrag auf Vertriebsförderung, Dezember 2000}
The film recounts the rhythm of life and age. Quiet, tranquil pictures alternate with 'visually-painful' pictures (e.g. self-piercing). The point I was trying to make in the film was not only to document the motives or motivation of the actors (self-respect, contemplation, spirituality, catharsis), but also to enable viewers to experience these subject matters directly.
The cinematic dramatized interplay of concentration / contemplation ("the respect" = die Achtung) on the one hand and concentration / sensation ("Attention!" = Achtung!) on the other hand is intended to enable methods of perception and states of consciousness to be experienced and reflected upon. These are not only represented by the film, but are also directly aroused in its viewers.
(MB, February 2001 - translation: catalogue European Media Art Festival Osnabrück 2002)

Es geht um die Achtung vor dem Leben! - in aller Konsequenz! (...bei allem Respekt!)
{Informationsblatt zum Film, 2001}
It's about respect for life! - In all consequences (...you bet your sweet ass!)
(information sheet to the film, 2001 - translation: Odette Buss)


x Tagebuchzitate | quotations from the diary

Gestern abend kam Mario (Brendel), eigentlich um die Stuhl-Aufnahmen zu drehen... aber da er für seine neuen Tattoos rasiert und infolgedessen verpickelt war, wollte er den Dreh nochmal verschieben. Die bisherigen Stuhlaufnahmen gefielen ihm gut... und wir haben immerhin noch einige Ideen zum Dreh bekommen... // ... Bemerkenswert ist, daß wir beide ein ähnlich transzendentes Bewußtsein haben (religiös! im Sinne von Erich Fromms "Ihr werdet sein wie Gott"; das Buch lese ich gerade.) - mit Mario zusammen + zum ersten Mal in meinem Leben den Film Metropolis gesehen; bin begeistert (im wörtlichen Sinne).
{TB1901.Tabu06, 21.07.94}

Heute abend der Dreh mit Mario Br. auf dem Stuhl: angenehmes Arbeiten. Mario ganz ohne Scheu und in sympathischer Weise: eitel. Sein Piercing durch die Eichel ist noch nicht verheilt, so daß wir diese 'Steck'-Aufnahme nicht machen konnten. Die andere Scene (piercing durch die Brust) ist aber bestimmt gut geworden. Sein Körper spricht mich sehr stark an: ich verspüre einen starken Drang / eine Lust auf mehr Details. Ich bemerke aber auch Berührungsängste meinerseits.
{TB1903.Tabu06, 27.07.94}

[!] Mario wird Zellstoff auslegen und das viele Blut mit nach hause nehmen. Er rollt den Zellstoff auf und sammelt ihn (wie von anderen Gelegenheiten) in einer Box. Ich dachte gleich (positiv) an meine mir ureigene Neigung, nichts wegschmeißen zu können und alles und jedes wie Reliquien aufzuheben (soweit habe ich ihn verstanden - geglaubt). (Aber falsch!) Ein oder zwei Mal im Jahr verbrennt er diesen Zellstoff mit seinem Blut! ("spirituell entsorgen"). Diese Ernsthaftigkeit bei seinem und gegenüber seinem Tun hat mich vollends überzeugt. Daß er mich bei seinem Tun zuschauen läßt / anwesend sein läßt, ist ein großes Vertrauensgeschenk.
{TB2617f.Tabu08, 28.09.98}

Die »Achtung« ist vielleicht der Ausdruck der ganz starken Sehnsucht nach großen Gefühlen. (Weltschmerz, ein Fragen ohne Unterlass nach dem Sinn des Lebens). Der Film zeigt vielleicht, daß es Menschen gibt, die mit ihrer ganzen Intensität auf der Suche / auf dem Weg sind und das sind starke Persönlichkeiten, die vielleicht auch anderen den Weg (der kein Ziel kennt) weisen können!
{TB2829.Tabu08, 04.02.01}

Jürgen hat nach meiner Obsession gefragt, die er in meinem Film nicht sähe oder sogar vermisse: ob ich tätowiert sei, ob ich einen Prinz-Albert-Ring habe. Auch würde ich ja Tätowierung + Piercing nicht als lustvoll zeigen. - Jaha, meinte ich, es ginge mir ja in dem Film auch nicht um den Fetisch, um Tabubruch in diesem Sinne, oder um das Spekulativ-Spektakuläre (wie Tattoos+Piercing heutzutage in der Werbung oder sogar in der Pornoindustrie ins Bild gesetzt würden), sondern es ginge mir doch um das Ursprünglichere, um Initiation, um das Geistig-Spirituelle, um die Würde und Ernsthaftigkeit, die es zu entdecken gilt eben gerade gegenüber den allgegenwärtigen Modernismen, gegenüber Populismus und Sensationsgeilheit, die sich in der Bilderlandschaft breitmachen. Wir müßten heutzutage auch keine Filme mehr für die sexuelle Befreiung machen, wenn dieses Thema schon inflationär und populär entwertet sei.
{TB2829f.Tabu08, 05.02.01}


x Interview deutsch | interview german

HS:
Der Versuch, Deine Arbeit in wenigen Sätzen zu definieren: was wäre der eine wesentliche Ausgangspunkt?
MB:
Ich mache persönliche Filme!, das kann man auf jeden Fall sagen. [...] Also Filme mache ich in diesem Stil: ganz persönlich, 'authentisch' kann man sagen. Das ist ganz entscheidend für meine Arbeit: persönlich definierbare, auf eine Person auch wieder zurückführbare Bilder zu schaffen.
HS:
Es hat etwas sehr Obsessives, sich so sehr ins Zentrum der Betrachtung zu stellen. Selbsterkenntnis hast Du als ein Motiv angegeben. Gibt es dazu noch einen anderen Wunsch, einen anderen Motor?
MB:
Ja ich versuche, das Medium nicht funktional nur zu benutzen also zu instrumentalisieren -sozusagen- sondern eigentlich zu personifizieren. Also es kommt darauf an, für mich kommt's ganz wesentlich darauf an, die Leute nicht manipulieren zu wollen, sondern auch die Leute im Verhältnis zu mir über das Medium kommunizieren zu lassen. Also sprich: wenn ich Bilder zeige soll immer klar sein: dieser Herr zeigt diese Bilder, und er möchte damit was sagen, mir als Zuschauer damit was sagen, und ich sprech dann ja häufig auch das Publikum direkt an, so von der Leinwand runter, und es ist auf jeden Fall immer ein dialogischer Prozess, ein Dialog zwischen Personen, den ich versuche zu initiieren, zu zünden im Kino.
(Interview von Herbert Schwarze am 04. 01.2001, ARTE, 'Kurz-Schluss', TV-Sendung vom 10.02.2001)


TV - Interview | TV - interview
Herbert Schwarze, Interview Auszug zu »TABU-Filmen« am 04.01.01,
ARTE, 'Kurz-Schluss', TV-Sendung vom 10.02.01


taz:
Gibt es einen Film von Ihnen, der nur im Kino richtig funktioniert?
MB:
"Achtung – die Achtung". Zu sehen ist ein Freund von mir, der sich über die Jahre mehr und mehr tätowiert hat, bis hin zu einem Ganzkörpertattoo. Das ging weiter mit Piercings. Es gibt Szenen, die jedes Mal einen Aufschrei im Publikum verursachen. Er sticht sich zum Beispiel einen Nagel in die Brust. Das hat auch immer noch ein bisschen was mit Katholizismus zu tun. Auf der Website gibt es eine "Filmgalerie" zu "Achtung – die Achtung", die aber auf eine weniger konfrontative Erfahrung hinausläuft.
(Interview von Bert Rebhandl am 07.06.2008, die tageszeitung, Kultur, 12.06.2008)


Interview | interview
Bert Rebhandl, "Rette dein Leben!",
die tageszeitung, Kultur, 12.06.2008

x Interview englisch | interview english

"The idea of a film is more important to me than it's technical perfection", says Michael Brynntrup of his Super8-movies. "But I respond to the technical possibilities... Motion pictures are the best means of expressing myself. They are alive. Painting ist dead and I don't want to end up in a museum".
(Andy Warhol's INTERVIEW, New York, September 1987 - Eva Steidel)

.
PHILMOGRAPHIE-NOTIZITATE | PHILMOGRAPHIE-NOTIZITATE

x Interview mit Ron Athey | interview with Ron Athey

FW:
Wie kamst Du auf die Idee für »The Solar Anus«?
Ron Athey:
Es entwickelte sich aus der von meiner Bataille-Lektüre inspirierten Idee, daß ich mir diese Tätowierung um meinen Schließmuskel in Form einer stilisierten schwarzen Sonne aufbringen ließ und ich diesen Prozess, weil er doch sehr delikat und sehr schmerzhaft war, mit Video dokumentierte. Dann sah ich diese Pierre-Molinier-Fotografien, die Dildo-Aktionen und den Autoerotismus in ihnen. Das war eine starke Inspiration. Und dann führt es mich dahin zurück wo alles bei mir anfing. Meine ersten Körperarbeiten waren ja meine Tätowierungen und nun dreht sich alles um die Tätowierung und den Glamour seiner Transzendenz. [...]
FW:
Warum ziehst du eine meterlange Perlenkette aus deinem Hintern? Was bedeutet das?
Ron Athey:
Ich habe das mit den Perlen schon früher gemacht und damit mein Arschloch transformiert. Es wird zu einer Schmuckschatulle. Die Enttabuisierung des Arschlochs ist mir ganz wichtig. Irgendwie erinnert mich das an königliche Majestäten auf der Flucht, die ihre Juwelen verschluckt haben oder sie in der Scheide oder im Hintern versteckten. Ich habe das stark stilisiert. Aber es hat immer noch etwas königliches oder? Ist es nicht grandios wie das wirkt, mit dem Facelifting, den grotesken Schuhen, den Seidenstrümpfen, der Krone und dem Thron. Es ist ein glamour piece. [...]
(Interview von Frank Wagner, Outline Nr.6, Juni 2000)


TL:
In your work, what is the correlation between masochism and primal urge?
Ron Athey:
Some of the SM techniques employed in my work are used as metaphor and it creates a ritual by doing it; but I'm not enacting a spiritual ritual. Sewing your mouth shut is not a spiritual ritual, whereas I put an arrow through me as a metaphor for Saint Sebastian to represent HIV positive people, and even Modern Primitive people, as being outcasts within gay culture.
TL:
You mentioned earlier that SM psychodrama or masochism can be a cathartic experience. Can you elaborate?
Ron Athey:
I think that if you're boiling inside, the strongest manifestation you can make is to physically abuse yourself - and if you know why you're doing it, you can transcend and work through it. If you deny why you're doing it, the problems can perpetuate themselves. For instance, Cleo Du Bois, a dominatrix friend of mine, gave me a ritual whipping over grieving. I wouldn't call this masochism. I was filled with so much sorrow because three friends had just died. She beat me for a half hour until I cried, focusing on the loss, not the sensuality of it or the submission - power trip.
(Interview by Tom Liesegang)

.
PHILMOGRAPHIE-NOTIZITATE | PHILMOGRAPHIE-NOTIZITATE

x Interview mit Mario Brendel | interview with Mario Brendel

Mario Brendel:
All of my tattoos, like those done whilst in prison, have a story behind them. They include my biography, my beliefs and other more personal and private issues. Many of them were done by people who have some special significance in my life, such as the symbol under my chin that was done with a shark's tooth. My first facial work was done with hand tools by my friend Xed leHead. [...] A 'tatau' on my upper left arm was done by traditional hand tools by the late Paulo Suluape from Samoa. Some of my most important tattoo work was done by a Buddhist monk. This work differs from merely being tattooed. I would call it 'transformation'. A few pieces I've done myself over the years but most of the main work has been done by my life companion Yvonne. Consequently I feel covered all over by love.
(Interview by Ashley)

.
PHILMOGRAPHIE-NOTIZITATE | PHILMOGRAPHIE-NOTIZITATE